Ich zählte mich bisher immer zu den aufgeschlossenen und
unvoreingenommenen Menschen in diesem Lande. So ganz frei von
Vorurteilen bin ich natürlich auch nicht. So kam es also,
daß ich mir sagte, die Möglichkeit mit einer Gruppe
nach Pakistan zu fahren, ergibt sich bestimmt nur einmal im Leben,
und allein fahre ich dorthin aus Sicherheitsgründen nicht.
Im nachhinein schäme ich mich fast für diese Einstellung.
Solange man sich an gewisse Gepflogenheiten hält (z.B. tragen
langer Kleidung), sehe ich für einen Mann überhaupt
keinen Grund, nicht allein durch dieses Land zu reisen. Frauen
würde ich dann doch empfehlen, mindestens zu zweit unterwegs
zu sein, da die dort lebenden Männer eine eigenartige Ansicht
von westlicher Freiheit haben. Es kam zwar gegenüber unserer
weiblichen Mitreisenden nie zu zwielichtigen Situationen, in Gesprächen
kamen aber solche Ansichten deutlich herüber. Abgesehen davon
sind die Menschen dort sehr hilfsbereit und freundlich. Ein hilfloser
Blick genügt und jemand kommt, spricht einen an und fragt,
ob er helfen könne. Sicherlich ist diese Hilfestellung nicht
immer so ganz selbstlos motiviert (zum Teil mit geschäftlichem
Hintergrund), es ist aber auch nicht die organisierte Abzocke.
Um einen kleinen Einblick zu haben, was man in diesem Land so
alles erleben kann, habe ich mir gedacht, ich stelle einfach mein
Reisetagebuch ins Netz. Das Folgende soll also kein Reiseführer
sein oder einen solchen ersetzen.
Wer selbst mit dem Gedanken spielt, sich in diese Region zu begeben,
kann sich gern per E-Mail
mit mir in Verbindung setzen, um weitere Informationen zu erhalten.
Sie können auch auf diese Karte zeigen.
Hier lernten wir nette Menschen
kennen oder staunten über die Schönheiten der Natur
Mit dem Zug fuhr ich zum Flughafen Frankfurt/Main. Dort ging
es gut los mit 2 h Verspätung des Fluges.
Von dort flog ich über Dubai nach Islamabad. Hier traf ich
meine Reisegefährten. Jetzt waren wir eine Gruppe von einer
Frau und 6 Männern.
Ich fuhr mit meinem Reiserad, welches mit
guten 20 kg Gepäck beladen war; die tschechischen Mitradler
nutzten Mountainbikes, die zum Teil gefedert waren.
Nach einer guten Landung gaben wir unser Gepäck gleich für den Weiterflug nach Skardu auf. Obwohl unsere Tickets auch für diesen Flug galten, hatten wir für unser Gepäck extra zu bezahlen.
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Damit wir auch wirklich wieder zurück in die Heimat kommen
würden, hinterlegten wir unsere Flugtickets für den
Rückflug in der Tschechischen Botschaft in Islamabad. Erster Rundgang durch Islamabad. Eine junge künstliche Stadt ohne historischen Ursprung. Nur Regierungssitz und Diplomatische Vertretungen. Dazu einige Hotels, Restaurants und wenige Shops. Weitläufig mit viel Grün. Nicht zu vergessen die Shah Faisal Mosque. Mit einem Linienbus fuhren wir nach Rawalpindi, einer älteren, größeren und wesentlich belebtereren Stadt, etwa 20 km südlich von Islamabad. Zur Besatzung eines Linienbusses zählen der Fahrer, ein Kassierer und ein "Eintreiber". Letzterer ruft ständig das Ziel des Busses aus und stoppt durch einmaliges Klopfen den Bus, wenn er potentielle Mitfahrer ausmacht. Zweimal klopfen heißt "weiter". Frauen sitzen grundsätzlich vorn und für alte Menschen wird ganz selbstverständlich aufgestanden. Zur Not hilft der Kassierer nach. Das ist ein Verhalten, woran wir Deutsche uns mal wieder erinnern sollten. |
Rawalpindi ist eine Großstadt mit viel Leben. Auf den
Straßen bewegt sich alles - vom Fußgänger, Obsthändler
mit seinem Karren, Fahrräder, kleine und große Busse,
Autos und Rinder. Jeder bewegt sich in die von ihm gewünschte
Richtung, und kommt ihm einer in die Quere, wird gehupt oder geklingelt.
Zur besseren Durchsetzung sind auch viele Fahrräder mit elektronischen
Sirenen ausgerüstet.
In dieser Stadt gibt es mehrere Basare, wo man alles kaufen kann.
Man muß sich nur erst einmal orientieren und dann handeln.
Es gibt zahlreiche Moscheen, welche immer in sehr gutem Zustand
sind. In der Regel sind an den Türmen Lautsprecher angebracht,
um zum Gebet rufen zu können.
Zum Glück gab es im Hotelzimmer einen Deckenlüfter.
Bei den Temperaturen von 40°C half nur noch Luftbewegung,
um dem Körper die Möglichkeit zur Kühlung zu geben.
Früh ging es dann zu Fuß zum Flughafen. Dort kam die
Mitteilung: "flight canceled". Die nächste Möglichkeit
gab es 24 h später. Um den Tag nicht ungenutzt verstreichen
zu lassen, fuhren wir mit dem Bus nach Taxila. Dort gibt
es ein Museum über Buddhistische Vergangenheit.
Bis zum 11 Jh. herrschte in der Region des heutigen Pakistan der
Buddhismus. Dieser wurde allmählich durch den Islam verdrängt.
Im Museumsgebäude sind diverse Funde von Buddhafiguren und
sonstigen Gegenständen der damaligen Zeit zu besichtigen.
Im Umkreis von mehreren km befinden sich freigelegte Reste von
mehreren Dörfern. Beim Gang über diese Felder tauchten
einige Pakistani auf und wollten angeblich originale Funde aus
"green stone", "white stone" und Bronzefiguren
für 2000 US$ verkaufen.
In einem Dorf saßen viele Männer vor einer "Kneipe".
Dort stand ein Fernsehgerät mit einer Übertragung vom
Kricket wold cup. Zu trinken gab es Wasser oder Tee. Wir gesellten
uns für eine halbe Stunde dazu. Uns wurde sofort Platz gemacht,
damit auch wir sitzen konnten.
Da nicht deutlich war, wo eine Bushaltestelle zu finden war, fragten
wir einen Polizisten. Dieser stoppte gleich einige PKW, mit denen
wir mitfahren sollten. Wir bevorzugten aber die offiziellen Busse.
Da diese voll besetzt waren, hingen wir wie die Einheimischen
außen an den kleinen Fahrzeugen. Interessantes feeling.
Temperaturen bei 42°C im Schatten. Nachts Besuch durch Moskitos,
also nicht so toll.
4:30 Uhr aufgestanden, 32°C Lufttemperatur, Flug nach
Skardu im Kaschmir.
Während des Fluges durften wir ins Cockpit. Der Pilot erklärte
uns die Aussicht. Durch die klare Sicht konnten wir den K2
(8611 m), den Gasherbrum 2 (8034 m)
und den Gasherbrum 1 (8068 m) von weitem bewundern.
Wir flogen in 8000 m Höhe zwischen den Bergen hindurch.
Zum Teil hatte ich den Eindruck, die Berge wären höher,
als wir fliegen. Da Skardu in einem Talkessel liegt, müssen
Flugzeuge erst eine 8 drehen, um entsprechend an Höhe zu
verlieren und landen zu können. Skardu liegt in 2290 m.
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Leider waren unsere Fahrräder nicht mitgekommen. Sie
sollten mit dem nächsten Flugzeug nachgeschickt werden. Abendessen gab es auf dem Basar. Im Public Call Office (PCO) versuchten wir leider vergeblich, in der Heimat anzurufen. |
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Kein Flug von Islamabad, ergo keine Fahrräder.
Also fuhren wir mit dem Jeep entlang des Indus und Shoyok über
Tampa nach Khapalu. Wir bezahlten für diese 200 km
lange Fahrt (hin und zurück) 1400 Rs (Rupien).
Im Dorf haben wir das Raja-House gesucht, aber nicht gefunden.
Es war früher Sitz des Königs von Baltistan. Ich startete
mit unterschiedlichem Erfolg erste Versuche, Pakistani zu fotografieren.
Immer noch keine Fahrräder.
Dafür Jeeptour nach Shigar. Die Miete für den
Jeep handelten wir von 1500 Rs auf 600 Rs herunter.
Wanderung auf einen Berg mit Blick ins Tal vom Shigar. Weiterhin
konnten wir einen alten Königspalast besichtigen, ein Zweiter
blieb uns versperrt. Dafür haben wir uns eine Hängebrücke
über den Shigar näher angesehen.
Beim Abendbrot in einem Restaurant lief wieder Fernsehen mit Kricket
und zwischendurch Werbung. Dabei wurden solche verbotenen Dinge
wie leichtbekleidete Damen und Alkohol gezeigt. Das paßt
in meinen Augen nicht so richtig mit der Staatsreligion des Islam
zusammen.
Abends klaren Sternenhimmel bewundert, kein Flackern und Nebenlicht
stört auch kaum.
Flugzeug aus Islamabad angekündigt. Also ging es um 8:00 Uhr mit einem Jeep zum Flughafen. Dort war erst einmal Warten angesagt und die Spannung stieg. Nach zwei Stunden Verspätung erschien endlich das Flugzeug am Himmel, drehte seine 8 und landete. Tatsächlich waren unsere Fahrräder dabei. Der Parkplatz vor dem Flughafengebäude hatte sich inzwischen geleert. Wir konnten uns also breit machen und unsere Fahrräder montieren. Um 13:00 Uhr war es endlich soweit, Fahrräder o.k., Gepäck angebunden und wir umgezogen. So ging es entlang des Indus in Richtung Karakoram Highway (KKH). Es tauchten die ersten Kilometersteine mit arabischer Beschriftung der Ortsnamen und den uns besser bekannten arabischen Ziffern auf.
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Der Indus führt graues Gletscherwasser. Wenige Kilometer
hinter Skardu verengt er sich, fließt wie durch ein Tor,
drängt sich dann zwischen den Felsen durch und hat eine
schmale Schlucht geschaffen. Dort entstehen viele Strudel und
eine Art stehender Wellen entgegen der Fließrichtung (horizontale
Walzen). In einem Dorf gab es Mittagessen und selbst entkeimtes Wasser. (Für Mitteleuropäer ist der Genuß des Leitungswassers oder des Wassers aus Bächen nicht zu empfehlen. Also kauften wir, wo es möglich war, Trinkwasser. Wo es keines gab, wurde Wasser aus Bächen mittels chemischer Keule entkeimt.) Die Dorfbewohner nutzten die Zeit, um unsere Räder intensiv zu betrachten. Übernachtung in Towar, etwas abgelegen der Hauptstraße. Der Weg zur Unterkunft ging "etwas" bergauf und führte durch schmale Gassen zwischen den Höfen hindurch. Zum Lunch ging es dann zu Fuß. Es gab Chapatti (sehr dünnes Fladenbrot) und Dal (gekochte Linsen). |
Weiter fuhren wir entlang des Indus. Unterwegs führte
eine Brücke über den Indus nach Mendi, der Hauptstadt
des alten Königreiches von Rondu.
Zum Glück ging es mehr bergab als bergauf, denn bei 35°C
war jede Steigung sehr schweißtreibend. Die Straße
war gut zu befahren. Meist Asphalt mit nur kurzen Unterbrechungen
durch Schotterstraße.
Mittagspause war kurz vor Sassi. Ich konnte die Herstellung von
Chapattis beobachten. Ein Kloß von Teig wird mittels Holzstab
breitgerollt, anschließend zwischen den Händen hin
und her geworfen, auf ein Kissen gelegt und im Ofen an die Seitenwand
geklebt. Der kesselförmige Backraum des Ofens wird von außen
beheizt. Die fertigen Chapatti werden meist auf einer Bastschale
serviert. Dazu gibt es in einer kleinen Metallschale Dal oder
gulaschartige Fleischgerichte. Die Linsen oder das Fleisch wird
mit den in Stücke gerissenen Chapatti gegessen, also ohne
Besteck. Hier kurz die Zubereitung:
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Im weiteren erreichten wir den Zusammenfluß von Indus und Hunza-River, überquerten letzteren und fuhren weiter entlang des Indus bis Jaglot, einem Militärstützpunkt. Dort übernachteten wir in einem sehr einfachen Hotel. Es gab nur ein Waschbecken in der "Gaststube" und einen Wasserhahn in unserem Toilettenraum als Waschmöglichkeit. Das Essen war sehr umfangreich, aber offensichtlich nicht ganz in Ordnung, denn in der darauffolgenden Nacht jagten wir uns gegenseitig von der Toilette.
Auf der weiteren Fahrt flußabwärts entlang des Indus
hatten wir den ersten Blick auf den Nanga Parbat (8125 m).
Wir radelten bis zur Raikhot Bridge, die über den
Indus führt. Auf diesem Weg hielten ungefragt zwei LKW-Fahrer
und stellten sich zum Foto auf.
Hinter der Raikhot Bridge zweigt ein Weg nach Tato ab. Dieser
Schotterweg ist 14 km lang und überbrückt dabei
einen Höhenunterschied von 1,4 km. Wir gaben unser Gepäck
in einen Jeep, der vorausfuhr. Bei Lufttemperaturen von 45°C
machten wir uns auf den Weg. Allerdings war nach 100 m auch
der letzte abgestiegen und schob. Ich hätte nie geglaubt,
daß das Schieben eines unbeladenen Fahrrades so anstrengend
sein kann. Nach nahezu 6 h kamen wir ziemlich erschöpft
in Tato (2600 m) an. Unsere Unterkunft bestand aus einer
Art Gartenlaube. Ein Holzgebäude mit einem großen Raum
und einer kleinen Veranda. Daneben stand ein langer Tisch mit
Holzbänken. Da es relativ zeitig dunkel wurde, gab es das
Abendbrot bei Licht von einer Gaslaterne. "Waschraum"
und "Dusche" unter freiem Himmel war ein Bach, der etwa
50 m entfernt von unserer Unterkunft den Weg kreuzte. Toilette
war der angrenzende Wald. Das alles paßte so richtig in
die Romantik, die von den uns umgebenden Bergen ausging. Herrlich!
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Um 5:00 Uhr und bei 8°C brachen wir zu einer Wanderung
in Richtung Märchenwiese oder auch Fairy Meadows
(3200 m) auf. Dort waren wir relativ früh, so daß
wir uns nach einigen Fotos auf den Weg zum ehemaligen Base Camp
früherer Gipfelstürmer machten. Dabei fiel unser Blick
immer wieder auf den Gipfel des Nanga Parbat. Auch konnten wir den Raikhot Glacier von oben betrachten. Auf dem weiteren Weg erreichten wir eine Höhe von 4070 m, wo etwa 15°C herrschten. Aus Zeitgründen kehrten wir hier um, wurden aber noch Zeuge einer Lawine. Gegen 15:00 Uhr waren wir wieder in Tato, verluden unser Gepäck in einen Jeep, und dann ging es mit den Rädern 14 km down hill. Da einer unserer Gruppe für die Abfahrt zu erschöpft war, fuhren er und mein Fahrrad mit dem Gepäcktransporter und ich auf einem gefederten Mountenbike herunter. Unten im Indus-Tal hatte uns die Hitze mit 40°C wieder im Griff. |
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Übernachtung war in einem Hotel direkt an der Raikhot Bridge. Dieses Hotel kann ich aber nicht empfehlen (kein Licht und Räume sehr dreckig). Wegen der hohen Temperaturen und der nicht funktionierenden Lüfter schliefen wir draußen. Der Sternenhimmel war zwar wunderschön, aber die Ameisen und Moskitos hinderten uns am ruhigen Schlaf.
Mangels anderer Möglichkeiten charterten wir einen Kleinbus
für den Weg auf dem KKH bis Sost. Die Räder wurden
auf das Dach gebunden, und das Gepäck kam auf die letzte
Sitzbank. Unterwegs gab es Fotohalts am Rakaposhi (7788 m)
und am Fort Altit mit den Ultar (7388 m) und Lady
Finger im Hintergrund. Zwei leicht beschädigte Brücken
wurden etwas abenteuerlich passiert.
Nach Ankunft in Sost gegen 16:00 Uhr und der Fahrradmontage
gab es eine kleine Stärkung, und es ging wieder in den Sattel.
Noch 32 km in Richtung Khunjerab Paß. Diese Strecke
war wohl mit einigen Furten und Steinschlag die gefährlichste.
Unterwegs sind wir von drei Bauarbeitern, die dort den KKH mit
schwerer Technik befahrbar zu halten haben, zu einer Tasse sehr
gutem Tee eingeladen worden.
Im Khunjerab Nationalpark gibt es eine Schutzhütte, wo einige
Männer wohnen, die uns einen Raum für die Übernachtung
zur Verfügung stellten. Hier war Selbstverpflegung angesagt,
da es außer einem Brunnen nichts gab.
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Um 6:00 Uhr ging es ohne Gepäck auf zum Khunjerab
Paß. Anfangshöhe in etwa 3333 m und das Ziel
lag in 4733 m. Der Weg war ganz gut, bis auf einige Abschnitte
mit Schotter und einen zu durchquerenden Rest eines Gletschers. Auch einige Tiere waren zu sehen. Die Steigung hielt sich in Grenzen. Da die Strecke aber recht hoch lag, wurde die Luft oder besser der Sauerstoff schon knapp. |
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Um 11:11 Uhr war ich oben an der Chinesischen Grenze.
200 m vor dem Grenzstein befindet sich eine Schranke und
ein einsamer Posten, der nur Besitzer eines Chinesischen Visums
durchläßt. Wir durften ohne unsere Fahrräder
mal kurz bis zum Grenzstein laufen und dort einige Fotos schießen. Inschrift des Grenzsteines: |
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THE OPENING CEREMONY OF THE KUNJERAB PASS TO TRAFIC WAS PERFORMED
BY MAJOR GENERAL RDT JAMAL DAR MINISTER FOR KASHMIR AFFAIRS AND NORTHERN AREAS, GOVERNEMENT OF THE ISLAMIC REPUBLIC PAKISTAN AND MR ISMAIL EHMED CHAIRMAN OF THE POEPLES GOVERNEMENT OF THE XINJIANG UIGHUR AUTONOMOUS REGION OF THE people REPUBLIC OF CHINA ON AUGUST 27. 1962 |
Die Eröffnungsfeier des Kunjerab Paß für den Verkehr wurde durchgeführt von MAJOR GENERAL RDT JAMAL DAR MR ISMAIL EHMED |
Mit dem Wind war es wie immer, wenn man auf dem Rad sitzt.
Auf dem Weg nach oben kam er von vorn und drehte pünktlich
um 12:00 Uhr, so das wir auch auf dem Rückweg den Wind von
vorn hatten.
An der Schutzhütte luden wir unser Gepäck wieder auf,
und es ging weiter bis Sost. Ab hier fuhren wir bis Gilgit entlang
des Hunza Rivers.
Übernachtung in Sost im Mountain refuge. Dort gab es eine
in der Einrichtung fast europäische Gaststätte und eine
warme Dusche.
Auf dem KKH weiter in Richtung Süden. Nach etwa 10 km
bogen wir in Morkhun links ab und wollten unsere Räder auf
einem Bauernhof abstellen. Dort waren nur zwei Frauen und einige
Kinder anwesend. Wir sollten unbedingt unsere Fahrräder ins
Schlafzimmer stellen, damit sie auch wirklich sicher untergebracht
wären.
Von dort wanderten wir über 2 h entlang des Gebirgsbaches
Boiber Nala auf einem Trampelpfad und überquerten Brücken,
die aus zwei parallel liegenden Holzbalken und darauf gelegten
flachen Steinen bestanden. Das war der einzige Weg nach Abgarch
und Boiber. Die Gebäude aus geschichteten Steinen
beherbergten Mensch und Tier. Stall und Wohnraum lagen direkt
nebeneinander. Auch eine kleine Moschee gab es dort.
Auf der weiteren Fahrt bis nach Passu ging es vorbei am Batura
Glacier.
Übernachtung im Passu Inn.
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Morgendliche Wanderung zum Labbas-Lake und Passu-Glacier.
Der zurückgezogene Gletscher und seine Endmoräne haben
diesen See gebildet. Auf der weiteren Fahrt nutzten wir eine kurze Pause in Hussaini zu einem kurzem Abstecher zu Fuß zum Borit-Lake. An dessen Ufer sind viele skurril geformte Steine zu sehen. Im Ort befinden sich terassenförmige Felder. Von Hussaini führt eine Hängebrücke über den Hunza-River. Sie besteht aus gespannten Stahlseilen und aus 313 eingefädelten Brettern oder Ästen. Wir schätzten die Breite des Flusses an dieser Stelle auf etwa 200 m. Ein Einheimischer zeigte uns, wie man diese Brücke auch freihändig passieren kann. |
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In Gulmit gibt es einen alten Palast zu sehen. Kurz vor Ganesh
befinden sich direkt neben dem KKH die "Sacred Rocks".
Auf diesen mehrere Meter hohen Felsblöcken sind Felszeichnungen
aus dem 1. Jahrhundert zu sehen.
Übernachtung in Karakoram Highway Inn.
Die ersten technischen Probleme mit unseren Fahrrädern tauchten
auf. So waren jetzt größere Schäden an meinem
Low Rider sichtbar, und Irenas Hinterradfelge war an einer Flanke
gebrochen. Zur provisorischen Reparatur wurde ein ca. 4 mm dicker
Stahldraht zwischen Mantel und Felge eingelegt. Das hielt bis
Islamabad.
Vormittäglicher Stadtrundgang. Ein ehemaliger Palast ist
jetzt Hotel gehobener Klasse und das Fort Baltit beherbergt
ein Museum, allerdings mit gepfefferten Eintrittspreisen. Die
ersten Mitglieder unserer Gruppe gingen auf Souvenirjagt.
Mir fiel gegenüber dem Hotel eine Werkstatt auf. Dort wollte
ich meinen Low Rider schweißen lassen. Zuerst mußte
ich auf Strom warten, und dann war der Schweißer wohl nicht
solch empfindliches Material (CrMo) gewohnt. Es ging zwar irgendwie,
sah aber nicht sehr vertrauenserweckend aus.
Unterwegs in Richtung Gilgit erstanden wir von einigen Kindern
Halbedelsteine. Um eine bessere Perspektive auf den Rakaposhi
zu haben, zweigten wir vom KKH nach Minapen ab. Allerdings war
uns der Wettergott nicht wohl gesonnen und schickte Regen. Dafür
entdeckten wir eine andere Art von Vogelscheuchen. Ein Teddybär,
an einer Holzleiste befestigt, ragte aus einem Baum herraus.
Am Rakaposhi View Point gab es auch nur Nebel zu sehen. Der Weg
führte entlang einiger steiler Felswände. Wir erreichten
bei Einbruch der Dunkelheit Jaglot Guar. Das dortige Hotel wollte
uns offenbar nicht. Wir fanden aber einige Meter weiter eine Unterkunft,
die aus einem Raum von etwa 3,5 m im Quadrat und einer Toilette
bestand. Die Stromversorgung in diesem Dorf erfolgte über
ein Dieselaggregat, welches um 22 Uhr abgeschaltet wurde.
Dann gab es nur noch Gaslaternen zur Beleuchtung.
Vormittags ging es schnell nach Gilgit. Dort kamen wir
im Madina Hotel und Guesthouse unter. Die Mittagspause nutzten
wir zur Reinigung unserer Bekleidung. Das Hotel war sehr angenehm,
etwas versteckt und doch zentral gelegen und auf solche Leute
wie wir eingestellt.
Ab 16 Uhr erkundeten wir die Stadt und den Basar. Für
umgerechnet -,80 DM ließ ich mir den Bart stutzen und die
Haare schneiden. Ein vor dem Friseurladen sitzender Schuster reparierte
inzwischen diverse Taschen und Schuhe, wobei nur mit Ale genäht
und Sohlen angenagelt wurden.
Einige Fotos vom Treiben auf dem Basar.
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Ich wollte einige Postkarten im Central Post Office aufgeben.
Das Kaufen der Briefmarken war kein Problem, die Postkarten dann
loszuwerden, war schwieriger. Durch einen Hintereingang gelangte
ich in einige Räume, wo die Sortierung der Post von Hand
auf Häufchen auf dem Fußboden erfolgte. Ich drückte
meine Karten einem Beamten in die Hände, war aber nicht davon
überzeugt, daß diese Karten jemals ihr Ziel erreichen
würden. Alles nur Vorurteile, die Karten sind alle ohne Verzögerung
angekommen.
Nachmittrags fuhr ich noch zu einer 7 km entfernten Buddha-Figur.
Jetzt verließen wir den KKH und wendeten uns in Richtung
Westen entlang des Gilgit- und später des Ghizar-River.
Mit einem Linienbus fuhren wir bis 10 km vor Ghakuck. Ab
hier wurde der Weg bedeutend schlechter. Fast nur noch Schotterstraße.
Auf diesen Wegen war es schwer, Steigungen mit dem Fahrad fahrend
zu bewältigen. Unterwegs sahen wir Bauern bei der Feldarbeit.
Sie pflügten mit Ochse und Holzpflug.
Um 20 Uhr erreichten wir in der Dämmerung Gupis.
Kurz vor dem Ziel fielen die ersten Teile meines Low Riders ab.
Unterkunft gab es im Kakakheu Hotel ohne Waschmöglichkeit,
dafür aber mit beißendem Getier.
Wir hatten uns 60 km vorgenommen. Der Weg war, gelinde ausgedrückt, schlecht. Fast wie auf dem Weg nach Tato, aber keine so gleichmäßig steile Steigung. Es ging oft kurz sehr steil hoch und wieder runter, wobei hoch überwogen hat, denn unser Ziel lag höher als der Ausgangspunkt. Es war also streckenweise wieder einmal schieben angesagt. Diesmal aber mit vollem Gepäck. Nach 39 km gegen 16 Uhr in Pingal will keiner mehr weiter.
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Uns wurde gesagt, in diesem Ort gäbe es ein Resthouse, und
wir fanden es auch. Allerdings behauptete dort ein älterer
Mann, dieses Gebäude sei kein Resthouse und hier gäbe
es auch keine andere Unterkunft. Die Aussicht, noch 20 km
weiter zum nächsten Hotel zu müssen, stimmte uns nicht
gerade froh. Wir zogen also mit hängenden Köpfen weiter. Nach wenigen hundert Metern bot uns ein Bauer an, bei ihm schlafen zu können. Wir bekamen einen Raum, vor dem sich ein kleiner Hof befand, der wiederum durch eine Mauer begrenzt war. Durch diesen Hof floß ein kleiner Bach, so das wir sozusagen fließendes Wasser hatten. Wir packten unsere Tütensuppen aus und bereiteten unser Abendbrot. Dabei wurden wir von unserem Gastgeber und einer auf einer Mauer sitzenden Schar von Kindern beobachtet. |
Wir starteten früh, um vor der großen Hitze weit
zu kommen. Bis um 11 Uhr erreichten wir das Lake Hotel, unser
eigentliches Ziel vom Vortage.
Dort aßen wir Kartoffelsuppe und Chapattis und tranken viel
viel Tee. Dann schliefen wir etwa 2 h, um einigermaßen
erholt weiter fahren und schieben zu können. Der Weg wurde
nicht besser, und ich muß zugeben, ich hatte schon einige
Probleme, mich noch zu motivieren. Wie gern hätte ich in
einem Jeep gesessen. Die schönen Ausblicke entschädigten
dann doch für die Anstrengungen.
In dieser abgelegenen Gegend wurde es schwer, Leute zu treffen,
welche etwas englisch sprechen. Während einer kleinen Pause
kamen wir aber mit einem Lehrer einer Dorfschukle ins Gespräch.
Wir übernachteten im Barstet Hotel in Goizar. In diesem Ort
scheinen nicht so oft Touristen aufzutauchen und zu übernachten,
denn es kamen viele Kinder, die einfach nur schauten. Ein junger
Mann fing für uns einige Fische, die wir uns braten ließen.
Das brachte mal wieder etwas Abwechslung auf den Tisch.
Für heute war der Sturm auf den Shandur Paß
angesagt. Mir war bei den uns bevorstehenden Höhenmetern
nicht so wohl, aber es wurde eine recht schöne Tour. Wir
sahen Bergwiesen mit saftigem Grün und Rindern. Der Aufstieg
verlieft terrassenförmig - große Wiese, kurzer steiler
Anstieg, große Wiese usw. Auf dem Paß befanden sich
wieder eine herrliche Wiese und ein See, umgeben von Bergen. Dieser
Platz lud zum zelten ein. Wir genossen es, eine Stunde an diesem
Ort der Ruhe zu verweilen.
Von dort ging es 10 km steil über schlechte Wege bergab.
Ich hatte einige Probleme, heil unten anzukommen, da teilweise
meine Räder blockierten und auf dem losen Schotter weiterholperten.
So ähnlich muß das Gefühl beim Rodeo sein.
Wir aßen im Shandur Hotel in Harachin Rührei und Chapatti.
Es folgten weitere 22 km holpriger Weg, der mich total durchschüttelte.
In Mastuj übernachteten wir privat. Dort bekamen wir Maulbeeren
zu essen.
Jetzt noch 32 km entlang des Mastuj River auf Gravel-Road.
Zum Teil herrschten in diesem Tal 51°C. In Burin war
Mittagspause, und ich trank in 2 h fast 3 l.
Von hier fuhren wir auf Asphalt weiter bis Maroi. Unterwegs ging
es oft um die 200 m hoch und wieder runter.
Wir schliefen neben dem Shandur Hotel open air. Bis 3 Uhr
lag ich, nur mit einer Turnhose bekleidet, ohne jegliche Bedeckung.
Erst dann hatte es sich soweit abgekühlt, daß ich meinen
Schlafsack benötigte.
Paratti (ähnlich Chapatti, aber in Öl gebraten) zum Frühstück und dann auf nach Chitral. Dort bezogen wir das Dreamland Hotel. Seit langem mal wieder eine Dusche. Allerdings gab es im Hotel nur zeitweise Wasser.
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Mittag haben wir in einem Restaurant gegessen. Dort gab es statt
Tischen auf dem Boden liegende lange schmale Decken auf denen
serviert wurde. Man saß auf beinen Seiten dieser Bahnen. Dort wurde ich von einem Afghanen angesprochen. Zuerst wollte er mich zum Islam bekehren und davon überzeugen, ihm in sein Land zu folgen. Er wollte wissen, wie das Leben in Deutschland sei. Später zeigte er sich sehr überrascht, daß Irena den gleichen schweren Weg mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte wie die Männer der Gruppe. Die Frage, ob ich auch mit ihr geschlafen hätte, machte mich dann wiederum sprachlos. Offensichtlich hatte er eine sehr schräge Vorstellung von westlicher Freiheit. Nachmittags war wieder einmal schlendern über den Basar angesagt. Ich legte mir endlich landestypische Kleidung, einen "Shalwar Kameez" für 150 Rs zu. Unter anderem sahen wir auch einen Fahrradladen. |
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Auf der Polizeistation holten wir uns eine Genehmigung für die "Kalash Valleys". Da wir sagten, nur für einen Tag auf der Durchreise reinschauen zu wollen, durften wir ohne Guide fahren. Wir änderten später einfach die Genehmigung auf drei Tage.
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Wir fuhren zu den Kalash people. Bis Ayun ging es auf
Asphalt, dann folgte wieder Gravel-Road mit kurzen, heftigen
Anstiegen. Es war also wieder einmal schieben angesagt. Obwohl
bis zu 45°C herrschten, war dieser Weg nicht ganz so anstrengend.
Gegen 11:30 Uhr erreichten wir Guru und bezogen das Mehren
Hotel. Dort gab es nur eine Toilette für alle Gäste
und das Personal. Neben dem Hotel schien der einzige Wasserhahn
in der näheren Umgebung zu sein. Nachmittags wanderten wir bis Blin. Dieses Dorf liegt an einem Berghang, der so steil ist, daß man, wenn man aus einem Haus kommt, auf dem Dach des davorliegenden Hauses steht. Die Dächer der Häuser sind also begehbar. Diese Menschen leben vorwiegend von der Landwirtschaft. Es besteht ein ausgedehntes Bewässerungssystem. Gepflügt wird aber noch mit Ochsen. Das Eggen erfolgt durch Ziehen eines großen Bündels von Ästen und Zweigen von Männerhand. |
Gegen 4 Uhr wurde ich durch Wackeln und Quietschen munter.
Ursache dafür war ein Erdbeben. Bevor ich mich entscheiden
konnte, das Gebäude zu verlassen, war alles vorbei.
Nach dem verspäteten Frühstück fuhren wir, gemeinsam
mit einem Guide, in bzw. auf einem Jeep ins Nachbartal nach Krakal.
Unterwegs erlebten wir Straßenbau per Handarbeit.
Nach einem längeren Fußmarsch sahen wir uns eine Gottesstätte
"Malosch" an. Diese besteht aus einem Karre von etwa
10 x 5 m, welches von einem Holzzaun umgeben ist. In
einer Ecke befinden sich aus der Wand ragende und aus Holz geschnitzte
Tierköpfe, die Pferdeköpfen ähneln. Sie sollen
Boten zu den Göttern der Kalash people darstellen (etwa wie
Engel). Kalash people haben viele Götter, vielleicht zu vergleichen
mit den Griechen. Unter den Tierkopfdarstellungen befindet sich
ein Opferstein. Zwei mal jährlich findet hier eine große
Zeremonie statt, bei der Tiere geopfert werden. Das Blut ist für
die Götter und das Fleisch wird gegessen. Allerdings dürfen
dieser Zeremonie nur Männer beiwohnen. Außerdem können
Männer auch zu jedem beliebigen anderen Zeitpunkt Opfer bringen.
Wieder im Dorf angekommen, konnten wir ein kleines Fest beobachten.
Dabei tanzten einige Frauen und Mädchen Gruppentänze
und sangen.
Der Rückweg ging über den Paß Gumbak An (3060 m).
Unser Guide lief zwar zügig, hatte aber keine Verpflegung
mit sich. Wir gaben ihm Wasser und Müsliriegel. Nach 1,5 h
waren wir locker oben. Unser Giude konnte nicht verstehen, daß
wir noch einen in der Nähe liegenden Gipfel besteigen wollten.
Der Abstieg vom Paß zu unserem Hotel war dann sehr beschwerlich.
2,5 h nur steil bergab. Wir gingen zum Teil durch sehr schmale
Täler mit 50 m Breite und 200 m Höhe (geschätzt),
in denen sehr große Felsbrocken (mehrere Meter Durchmesser)
herumlagen. Diese waren von den Felswänden herabgestürzt.
Abends probierten wir Kalashwein. Aufgrund der Staatsreligion
gibt es in ganz Pakistan offiziell keinen Alkohol zu kaufen. Die
Region der Kalash Valleys bildet meines Wissens die einzige Ausnahme.
Allerdings war dieser Wein meiner Meinung nach ungenießbar.
Er war im Aussehen naturtrüb, rotbraun und schmeckte aher
wie Essig. Der Korken der Flasche bestand wahrscheinlich aus einem
getrockneten Maiskolben. Unser Gastwirt lobte diesen Wein aber
in den höchsten Tönen.
Wir trafen einen Lehrer, der uns durch das Dorf führte.
Dadurch erfuhren wir sehr viel über die Kultur dieses Volkes.
Der Friedhof war nach unseren Maßstäben sehr ungepflegt.
Wenn ein Kalash people stirbt, wird zwei Tage gefeiert. Dann wird
der Tote von den Männern des Dorfes begraben. Frauen dürfen
beim Begräbnis nicht dabei sein, sondern nur von weitem zusehen.
Damit ist das Leben des Verstorbenen abgeschlossen. Die Gräber
werden nicht gepflegt und auch nicht von den Angehörigen
besucht. Auch gibt es in der Religion der Kalash people kein Leben
nach dem Tod, wie etwa das Paradies / die Hölle oder
eine Reinkarnation.
Jedes Dorf besitzt ein Menstruationshaus. Dorthin gehen die Frauen
für eine Woche während ihrer Regel oder für einen
Monat vor und nach der Geburt eines Kindes.
Kalash people heiraten ungefähr mit 16 bis 20 Jahren, leben
monogam und jede Familie hat durchschnittlich fünf Kinder.
Nach dem Mittag im Kalash Resthouse fuhren wir wieder zur Hauptstraße
und von dort weiter über Drosh und Mirkhani (Abzweig
nach Afghanistan) in Richtung Lawari Paß. Abends fanden
wir keine Unterkunft und standen plötzlich im dunkeln. Da
der Himmel bedeckt war und wir uns in einem Tal befanden, war
es ab etwa 20:45 Uhr zu gefährlich, weiter zu fahren.
Wir wollten auf dem Dach eines leeren Gebäudes übernachten.
Nach etwa 1 h kam Polizei und sagte, wir dürften aus
Sicherheitsgründen dort nicht schlafen und sollten noch 4 km
weiter zum nächsten Hotel. Wegen der Dunkelheit schoben wir
und wurden von zwei Polizisten eskortiert. Nach ca. 1 h Fußmarsch
auf zum Teil steilen Wegen kamen wir am Hotel Savana an. Es war
gleichzeitig Polizeistation. Dort wären wir sicher und wir
durften unsere Schlafsäcke auf einem Holzgestell vor dem
Gebäude ausbreiten. Der Schlaf übermannte uns dann schnell.
Als Frühstück gab es Kekse und Müsli. Dann wollten
wir auf zum Lawari Paß (3118 m). Schon nach
einem km nahm ich unfreiwillig ein Bad in einem Bergbach. Dabei
wurden meine Fahrradhose naß und fing bald an, am Gesäß
zu scheuern. Zum Glück hatte ich eine zweite Hose im Gepäck.
Also beschloß ich, die Hose zu wechseln. Nachdem ich die
Ersatzhose aus der Tasche hervorgekramt hatte, tauchten einige
Pakistani auf. Diese waren wie alle neugierig und blieben also
stehen, um zu sehen, was ich wohl mache. Wenn ich nicht einfach
vor den Augen dieser Leute meine nasse Hose heruntergelassen hätte,
ständen wir wohl heute noch dort. Mit frischer Hose ging
es dann 13 km Gravel-Road auf Serpentinen aufwärts.
Der Weg war zwar anstrengend, aber mit meinem Rad noch gut zu
bewältigen. Ich fuhr also hoch und mußte nicht schieben.
Oben bekam der Magen auch wieder etwas zu tun. Wir hatten auf
dem Weg Käse gekauft. Es war eine Art Frischkäse in
Fladenform, der sehr gut schmeckte.
Auf dem Paß stand ein Stein mit einer Höhenangabe von
10500 Fuß. Wenn gilt: 1 Fuß = 12"
und 1" = 25,4 mm, dann ergibt das eine Höhe
von 3200,4 m. In der Karte steht aber 3118 m. So ernst
darf man solche Angaben wohl nicht nehmen.
Abwärts ging es wieder 20 km Gravel-Road, die aber noch
erträglich waren. Gegen 16:00 Uhr erreichten wir Dir.
Einige hatten zwar die Idee, noch weiter zu fahren, aber die Erschöpfung
von anderen ließ uns hier die Radtour beenden.
Nach einem kleinen Frühstück wurden mal wieder die
Räder auf das Dach eines Kleinbusses gebunden. Startschwierigkeiten,
welche auf schlechten Kontakt an der Batterie zurückzuführen
waren, wurden mit einem Nagel, der zwischen Batteriepol und Polschuh
geschlagen wurden, behoben.
Auf dem Weg nach Peshawar gab es schöne Ausblicke
auf Terrassenfelder.
Fahrer und Beifahrer hatten in Peshawar einige Probleme, unser
Hotel zu finden. Sie wollten uns einfach am Stadtrand absetzen.
Mittels Polizei überzeugten wir sie, weiter zu fahren. Dann
hielten sie am nächsten Hotel in der von uns der gesuchten
Straße, welches im lonely planet unter top end aufgeführt
war. Unter Mithilfe mehrerer Einheimischer fanden wir unser Ziel,
das Hotel "Tourist Inn". Bis dort hin gab es allerdings
noch einige heftige Dikusionen mit den Fahrern.
Abends unternehmen wir einen kurzen Stadtrundgang. Ich hatte dabei
ein Waffengeschäft gesehen, traute mich dann aber allein
doch nicht herrein, auch wenn die Neugierde groß war..
Wir zogen es vor, im Hof des Hotels zu schlafen, da es im Schlafraum
zu warm war. Der Steinfußboden des Hofes war allerdings
auch aufgeheizt, so daß die Isomatte eher vor Wärme
denn vor Kälte schützen mußte. Außerdem
war es über Nacht bewölkt, es gab also keine Abkühlung.
Mit Anbruch des Tages wurden erst die Fliegen munter, und diese
weckten wiederum uns, indem sie in Scharen über unbedeckte
Körperteile und dabei insbesondere im Gesicht herumliefen.
Abhilfe brachte nur die Bedeckung aller Körperteile, was
wiederum zu warm war.
Das Frühstück kauften wir beim Bäcker nebenan.
Dann ging es mit zwei Motorrikschas in die Old City zum Basar.
Ich kaufte bei dieser Gelegenheit Tee: Schwarztee aus Brasilien
und chinesischen Grüntee.
Bald "fand" sich ein "Stadtführer", der
uns über den Basar geleitete. Anschließend führte
er uns in eine Moschee, welche 500 Jahre alt sein sollte.
Wir durften auch fotografieren, wobei uns einige Gläubige
erstaunt ansahen. Ziel unseres Stadtführers war dann der
Schmuckladen eines Verwandten von ihm. Nachdem wir geflüchtet
waren, ging es über den Platz "Chowk Yadgaar" zum
Balahisaa Fort. Das ist eine alte Festung, welche aber heute immer
noch militärisch genutzt wird. Also no picture.
Die Rückfahrt zum Hotel erfolgte mit 6 Personen in einer
Motorrikscha. Eng - aber lustig.
Als Mittagessen kaufte ich mir etwas Süßkram, welcher
mein Leben für die nächsten zwei Wochen deutlich veränderte.
Wenige Minuten nach dem Verzehr fing mein Magen an zu rebellieren.
In einem Souvenirladen kaufte ich einen steinernen Kerzenständer.
Mich interessierte auch ein Schachspiel (Figuren und Brett aus
Stein). Es gab zwei Ausführungen. Die in normaler Größe
kostete450 Rs und eine etwas größere 900 Rs.
Mich hielt nur das Transportproblem vom Kauf ab.
Wie am Vortage pünktlich durch Fliegen geweckt. Mein Magen
hatte sich etwas beruhigt.
07:30 Uhr ging es zum Bahnhof, Fotos waren erlaubt.
Für freaks: unsere Lok: dieselelektrisch, 6 Achsen, alle
angetrieben in zwei wuchtigen Drehgestellen. Bremszylinder außen
liegend, Radreifenbremse. Führerstand sehr übersichtlich.
Wir fuhren in Economic Class. Ledersitze, Holzlehne, Kopfstütze
aus Leder, zweite Etage ohne Kopfstütze. Je Seitengang zwei
Lüfter. Schiebefenster nach oben zu öffnen (wie ein
Fallbeil). Die Fenster sind vergittert. Bei einem technisch bedingten
Halt strömen alle raus, um zu schauen..
In Rawalpindi übernachteten wir wieder im "Rawalpindi
Popular Inn".
Bummel über den Basar. Hier ist man sehr auf Touristen
eingestellt. Ein Security-Mann am General Post Office (GPO) wollte,
daß ich ihn fotografiere.
Nachmittags fuhren wir mit dem Rad nach Islamabad zur Tschechischen
Botschaft, um unsere Flugtickets abzuholen. Mitarbeiter der Botschaft
hatten für uns die reconfirmation erledigt. Nach langer Unterhaltung
ging es im Dunkeln zurück. Die chaotischen Verkehrsverhältnisse
machten ja sogar Spaß, aber ganz ohne Licht am Fahrrad war
mir nicht so wohl. Da wir so aber keine Ausnahme bildeten, kamen
wir ohne Probleme zurück zum Hotel.
Morgens gab es etwas Regen, und gleich waren die Straßen
überschwemmt. Dann starteten wir zum letzten Rundgang über
den Basar, um das restliche Geld los zu werden.
Gegen 20:00 Uhr fuhren wir vom Hotel in Richtung Flughafen
ab. Ich wollte dort meine restlichen Rupien zurücktauschen,
was aber offiziell nicht mehr möglich war. Ein Bankangestellter
tauschte mit mir schwarz.
Gepäck um- und eingepackt, Fahrrad »flugtüchtig«
gemacht, gewartet, eingecheckt, Nachzahlung wegen Übergepäck
von 135,-US$ und ein letztes Stück Gebäck vor dem Flug
gegessen. Das hätte ich lieber lassen sollen, denn im Flugzeug
ging es mir dann so richtig schlecht.
Flug über Dubai nach Frankfurt. Allerdings ging es mir
so schlecht, daß ich nichts essen konnte. Auch das Angebot
von Wein mußte ich abschlagen.
In Frankfurt war Verabschiedung angesagt, denn die tschechischen
Freunde flogen weiter nach Prag. Ich sattelte mein Fahrrad, mußte
aber feststellen, daß ich vorn einen Plattfuß hatte.
Aber erst einmal hatte ich nur den Bahnhof als Ziel. In Zug mußte
ich nun, das erste Mal auf dieser Reise, mein Flickzeug zücken.
Mit der Bahn ging es dann in Richtung Heimat. Aufgrund der starken
"Magenverstimmung" war ich sehr froh, wieder zu Hause
zu sein.
